Mythos Abtreibung – Ammenmärchen zum Schwangerschaftsabbruch

Das Thema Abtreibung wird seit einigen Jahrzehnten – nicht nur in Österreich – kontrovers diskutiert. Es gibt keinen neutralen Standpunkt, selbst Lehrbücher (für Schule oder Universität) sind nicht komplett wertfrei. Diese Tatsache sollten man sich vor Augen führen, wenn man einen Artikel darüber schreibt beziehungsweise liest.

Durch die hitzige Debatte tauchten im Laufe der Jahre diverse moderne Mythen zu diesem Thema auf. Um die soll es in diesem Artikel gehen.

Mythos 1: Es gibt Frauen, die schon 6-7 Mal abgetrieben haben!

Eine Abtreibung in Österreich ist völlig anonym, sie wird nicht von der Krankenkasse bezahlt, noch werden die Frauen in einer Datenbank registriert. Ergo ist es nicht möglich festzustellen, wie viele Frauen in einem Jahr X abgetrieben haben und schon gar nicht wie oft.

 Mythos 2: Der Zeitpunkt bis zum dem in Österreich gesetzlich abgetrieben werden kann ist eine willkürliche Festlegung!

Eine Abtreibung kann in Österreich nach derzeitiger gesetzlicher Regelung (Fristenlösungsgesetz) bis zur 12. Schwangerschaftswoche (3. Monat) vorgenommen werden. Bis zu diesem Zeitpunkt kann sich jede Frau dafür frei entscheiden. Dieser Zeitpunkt ist allerdings nicht willkürlich festgelegt, sondern erst nach der 18. Woche entwickelt sich das Nervensystem des Ungeborenen und somit das Schmerzempfinden. Nur in Ausnahmefälle kann eine Abtreibung zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt werden.i Deshalb sind auch zwei verschiedene Bezeichnungen üblich: Bis zum 3. Monat der Schwangerschaft ist die Bezeichnung Embryo, ab dem 3. Monat Fötus.

Mythos 3: Abtreibungskliniken führen ohne vorheriger Beratung einen Abbruch durch! Die Frauen wissen und sehen nicht was mit ihnen passiert!

Zu diesem Vorwurf seien die Grundsätze der „gynmed – Abulatorium für Schwangerschaftsabbruch und Familienplanung“ zitiert:

Eine ungewollte Schwangerschaft ist ein häufiges Ereignis, welches fast immer überraschend eintritt und einen unvorbereitet trifft. In manchen Situationen wissen Frauen recht rasch, wie sie sich entscheiden. Manchmal ist die Entscheidung alles andere als leicht und benötigt Zeit, sowie Gespräche mit vertrauten Menschen. Auch ein Gespräch in einer professionellen Beratungsstelle kann hilfreich sein und aufzeigen, was eine Entscheidung in die eine oder andere Richtung bedeutet.
Gerne können Sie sich in diesen Fällen an uns wenden und wir werden Sie unterstützen, damit Sie selbst zu einer Entscheidung finden.“

Mythos 4: Bei einem Schwangerschaftsabbruch besteht ein hohes Risiko, weil mit unsauberen Instrumenten gearbeitet wird!

Ein Schwangerschaftsabbruch kann in Österreich auf zwei Arten von einem Arzt öder einer Ärztin durchgeführt werden. Entweder medikamentös bis zur 9. Woche mit Mifegyne® oder chirurgisch durch Absaugung unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose. Die Abtreibung erfolgt im Krankenhaus oder in eigenen Kliniken mit den in einem Krankenhaus üblichen Hygienestandards und -vorschriften.

Mythos 5: Nach einer Abtreibung kann eine Frau keine Kinder mehr bekommen!

Diese Behauptung stimmt nicht. Negative Auswirkungen auf die spätere Fruchtbarkeit sind nicht bekannt. Im Gegenteil, eine Frau kann unmittelbar nach einem Abbruch wieder schwanger werden.

Mythos 6: Viele Frauen treiben bis kurz vor der Geburt ab!

Dieser Mythos stellt eine unwahrscheinlich Behauptung dar. Späte Abtreibungen werden nur in medizinisch unbedingt notwendigen Fällen durchgeführt, also nur bei einem sehr hohen Gesundheitsrisiko für die Frau.

Nehmen wir einmal an eine gesunde Frau mit einem gesunden Fötus würde im 8. oder 9. Monat abtreiben. Ein Schwangerschaftsabbruch würde neben dem hohen Risiko auch große Schmerzen für die Frau mit sich ziehen. Der Fötus kann nicht medikamentös oder durch Absaugung abgetrieben werden, sondern müsste geboren werden. Bei einer Geburt hilft das Kind mit, der tote Fötus allerdings nicht. Dies würde ein erhöhtes Risiko der Frau und größere Schmerzen bei der Totgeburt bedeuten. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich eine Frau einer solchen Prozedur – sollte es eine andere Möglichkeit geben – unterzieht.

Klar ist, dass ein später Schwangerschaftsabbruch nur in Fällen durchgeführt wird, in denen das Leben der Frau in Gefahr ist.

 Mythos 7: Feministinnen wollen, dass alle Kinder abgetrieben werden!

Feministinnen fordern nicht die generelle Durchführung einer Abtreibung bei einer Schwangerschaft, sondern das Recht jeder Frau frei zu Entscheiden, ob sie ein Kind bekommen wollen oder nicht. Sie sind also Pro Choice.

Will eine Frau ein Kind bekommen ist dies zu begrüßen und stellt dies ein schönes Ereignis für die Frau dar. Wenn eine Frau sich allerdings nicht in der Lage sieht, ein Kind zu bekommen ist dies zu akzeptieren.

Mythos 8: Jede Frau, die abgetrieben hat, leidet an dem Post Abortion Syndrom!

Laut Abtreibungsgegner_innen leiden Frauen nach einem Schwangerschaftsabbruch an dem – wie sie es nennen – Post Abortion Syndrom (PAS). Dies ist ihre Bezeichnung für die psychischen Folgen einer Abtreibung.

Wie Frauen nach einer Abtreibung damit umgehen ist von vielerlei Faktoren abhängig. Neben einem individuellen Umgang, macht hier das Umfeld also die Familie, Freund_innen als Gesprächsparter_innen und vor allem die Einstellung zu einer Abtreibung seitens es Umfeldes viel aus. Abgesehen davon trägt natürlich die Haltung der Gesellschaft im allgemeinen viel zur psychischen Situation der Frau bei.

Wird einer Frau also nach einer Abtreibung eine schlechtes Gewissen eingeredet oder wird sie verurteilt oder gar als Mörderin beschimpft, so hat dies natürlich Auswirkungen auf sie. Wird die Entscheidung der Frau über ihren eigenen Körper zu bestimmen ihrem Umfeld akzeptiert, ist es für eine Frau sicherlich leichter mit ihrer Entscheidung klar zukommen. Normalerweise fällt Frauen die Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch nicht leicht. In fast allen Fällen liegen schwerwiegende Gründe für diese Entscheidung vor.

Das von den Abtreibungsgegner_innen in die Diskussion eingeführte Post Abortion Syndrom stellt eine Angstmache dar, um die Frauen vor einer Abtreibung abzuschrecken.

Eben weil Frauen Teil der Gesellschaft sind, braucht es in Österreich eine rechtliche Lage und eine gesellschaftliche Stimmung, die es Frauen erlaubt ihre Rechte in Anspruch zu nehmen und sie in ihren Entscheidungen unterstützt. Das Gesetz zur Fristenlösung ist für die weibliche Selbstbestimmung extrem wichtig. Die Einstellung der Gesellschaft zu diesem Gesetz trägt entscheidend dazu bei, ob Frauen ihre Rechte wahrnehmen.

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